Afrika
Museum für Völkerkunde Hamburg
Amerika
Schamanenmaske aus Holz und Vogelfedern, Alaska, vor 1881; Foto: Brigitte Saal

Schätze von Alaska bis Feuerland

Der amerikanische Doppelkontinent von Alaska bis Feuerland ist mit archäologischen und ethnographischen Beständen sehr vielfältig vertreten.

Arktis
Sammlungsstücke aus den arktischen Regionen, vor allem aus Alaska und Grönland, fanden bereits ab Mitte des 19. Jh. Eingang in die Museumsbestände. Ein Kajak mit kompletter Jagdausrüstung aus Westgrönland, das Carl Hagenbeck 1878 dem Museum überließ, trägt die erste Inventarnummer der Amerika-Sammlung. Unter mehreren Holzmasken aus Alaska ragt vor allem eine Maske heraus: Die Darstellung eines auf einem Biber reitenden, schamanistischen Hilfsgeists ist in ihrer Art einzigartig. Kleidung, Jagdgeräte und Alltagsgegenstände u.a. auch aus der Sammlung des norwegischen Forschers Christian Leden vermitteln Einblicke in das traditionelle Leben der arktischen Kulturen. Zu den besonders seltenen Stücken zählt ein Mantel aus Kormoranbälgen von den Aleuten, der 1868 ins Museum gelangte.

Indianer Nordamerikas
Auch in der eher kleinen Sammlung zu den indianischen Kulturen Nordamerikas finden sich einige herausragende Stücke. Sie deckt vor allem die Kulturen der Nordwestküste, der Plains und Prärien und des Südwestens ab. Zu den besonderen Kostbarkeiten zählt ein bemaltes Lederhemd der Sioux vom Anfang des 19. Jh., das zu den ältesten seiner Art gehört. Auch die Sammlung des berühmten Kulturwissenschaftlers Aby Warburg, der 1895/96 Tongefäße und Katsina-Figuren aus dem Südwesten der USA erwarb, ist bedeutsam. Alte und zum Teil seltene Masken sowie eine große Chilkatdecke bilden die Highlights des Bestands von der Nordwestküste, der durch moderne Schnitzkunstwerke und Siebdrucke hervorragend ergänzt wird.
Die Höhepunkte dieser Sammlung finden sich in der aktuellen Ausstellung „Indianer Nordamerikas – Eine Spurensuche“.

Präkolumbisches Meso- und Südamerika
Weit umfangreicher als die Nordamerika-Bestände sind die Sammlungen aus Meso- und Südamerika. Einen Schwerpunkt nehmen hier die archäologischen Hinterlassenschaften der vorspanischen Kulturen Alt-Amerikas ein. Dazu gehören etwa Steinskulpturen, Tonfiguren und –gefäße, feine Textilien, Metall- und Federobjekte sowohl aus Mesoamerika (etwa der Olmeken, aus Teotihuacán, der Azteken, Maya und Taino), wie auch aus dem Andenraum (z.B. der Moche, Nasca, Chimú, Inka oder aus La Tolita und Bahía). Jedoch auch Objekte aus weniger bekannten, vorspanischen Kulturen, z.B. aus Panama, Venezuela oder Chile sind in der Sammlung vertreten.

Weltberühmt ist die sog. Hackmack’sche Steinkiste der Azteken, die aus dem Jahr 1470 datiert. Sie gilt als herausragendes Zeugnis für die spät-nachklassische Steinschneidekunst des Hochtals von Mexiko. Auch eine aus Serpentinstein gearbeitete Figur der Teotihuacán-Kultur mit aztekischen Glyphen zählt zu den Schätzen aus Mesoamerika.
Besondere Bedeutung ist der archäologischen Sammlung aus Nordperu des norddeutschen Forschers Hans H. Brüning beizumessen. Sie besticht durch eine große Anzahl zum Teil sehr fein gearbeiteter Metallartefakte aus Gold, Silber und Bronze und wird ergänzt von einem umfangreichen schriftlichen und photographischen Nachlass. Jahrhundertealte Textilien, wie ein Poncho der Paracas-Kultur oder ein sehr großer bemalter Wandbehang der Chimú-Kultur, eine seltene Holzfigur eines Gefangenen der Moche-Kultur sowie eine schöne Sammlung inkaischer Holzkeros sind weitere Höhepunkte der Sammlung aus Alt-Peru.
Ethnographisches Meso- und Südamerika

Innerhalb der ethnographischen Bestände bildet die Sammlung aus Guatemala aufgrund ihrer Qualität und ihres Umfangs einen besonderen Schwerpunkt. Sie beinhaltet u.a. zahlreiche Textilien, darunter sehr viele komplette Trachten, vom 19. Jh. bis in die Gegenwart aus sämtlichen Regionen Guatemalas. Sie gibt einen ausgezeichneten Einblick in die hervorragende Handwerkskunst und das Leben moderner Maya. Kleinere Sammlungen von Ritual- und Alltagsgegenständen etwa zu den Huichol-Indianern aus Mexiko oder den Kuna aus Panama setzen weitere Akzente im Bereich Mittelamerika.

Eine Besonderheit stellt die Sammlung zu den afroamerikanischen Kulturen aus Suriname dar. Sie stammt u.a. von dem bekannten US-amerikanischen Anthropologen Melville Herskovitz aus den 1930er Jahren und umfasst viele charakteristische Holzschnitzarbeiten.
Brasilien ist u.a. mit einer interessanten Sammlung zum Candomblé vertreten, einem der wichtigsten afro-brasilianischen Kulte. Aus dem südamerikanischen Tiefland gelangten im Laufe des 20. Jh. mehrere größere Sammlungen bekannter Wissenschaftler ins Museum, darunter Theodor Koch-Grünberg, Curt Nimuendajú, Herbert Baldus, Franz Caspar, Pater Protásio Frickel oder Borys Malkin. Zahlreiche farbenprächtige Federobjekte, Maskenanzüge aus Rindenstoff, Ritualgegenstände und geflochtene Korbwaren geben Zeugnis von der kulturellen Vielfalt dieses Großraums. Besonders erwähnenswert ist die Sammlung Vollmer vom Rio Negro, die bereits 1850 ins Museum kam und einige der frühesten Federobjekte aus dem Amazonas-Gebiet in deutschen Museen beinhaltet.

Das Andengebiet sowie die Chaco-Region sind durch mehrere kleinere Sammlungen repräsentiert. Silberschmuck und Reitzubehör der Mapuche aus Chile und Argentinien zählen ebenso dazu wie etwa gewebte Textilien und kolonialer Silberschmuck aus Peru und Bolivien.

Ausgewählte Objekte können Sie aktuell in diesen Ausstellungen sehen:
Indianer Nordamerikas – Eine Spurensuche
Schätze der Anden

Was Sie in unseren Ausstellungen sehen können, ist nur ein Bruchteil dessen, was sich in unserem Museum an Schätzen befindet, welche als Sammlungen zusammengefasst werden.

Ansprechpartnerin

Christine Chávez
Leiterin der Amerika-Abteilung
Tel.: 040. 428 879–517
christine.chavez@mvhamburg.de