Afrika
Museum für Völkerkunde Hamburg
Europa
Hinterglasmalerei; Rumänien; Anfang 19. Jh. Foto: Brigitte Claaßen

Die größte Sammlung zur europäischen Völkerkunde in Europa

Das Museum besitzt die größte Sammlung zur europäischen Völkerkunde in Europa, die in 150 Jahren Sammeltätigkeit kontinuierlich angewachsen ist. Besonders zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden durch ausgedehnte Sammlungsreisen reichhaltige Bestände aus unterschiedlichen Regionen zusammengetragen.
Arthur Byhan, der erste hauptamtliche Leiter der damaligen “Eurasiatischen Abteilung”, sammelte in Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Russland, bei Serben, Kroaten und Makedoniern und auf Sardinien. Der Ethnologe und Ethnographica-Händler Julius Konietzko trug umfangreiche Sammlungen bei den skandinavischen Lappen, in Finnland, Irland, Schottland, Portugal, Spanien, Italien und in der Schweiz zusammen. 1927 kamen die bedeutende Amulettsammlung des Hamburger Augenarztes Siegfried Seligmann und die heute sehr wertvolle Island-Sammlung von Hans Kuhn ins Haus.

Mit über 3000 keramischen Objekten und Töpfereigeräten aus Spanien ist die seit den 1970er Jahren angelegte Sammlung die umfassendste außerhalb des Ursprungslandes.

Oster- und Weihnachtsbrauchtum

Bedeutende Bestände sind die Sammlungen zum Oster- und Weihnachtsbrauchtum von Maud Pohlmeyer. Fast 1200 Objekte zum Thema Ostern schenkte sie 1981 dem Museum. Ihre etwa 700 Stücke zum Thema Weihnachten in aller Welt konnten 1986 durch die finanzielle Unterstützung des Vereins Freunde des Museums für Völkerkunde Hamburg e. V. erworben werden. Diese wichtigen Zeugnisse christlichen Brauchtums wurden in den letzten Jahren durch die Teilnehmer der Oster- und Christkindlmärkte kontinuierlich erweitert.

Wichtige Neuzugänge in der jüngeren Zeit waren auch die hervorragend dokumentierten Sammlungen von Marianne und Peter Reinicke zu Schweden und von Kaarina Dehls zu Finnland. In den Jahren 1993 bis 1995 entstand im Rahmen eines Forschungsprojekts ein umfangreiches und einzigartiges “Drachenarchiv”, das bis heute regelmäßig ergänzt wird. 1996 erhielt das Museum eine vielfältige Sammlung zur religiösen Volkskunde aus dem 19. Jahrhundert aus dem Dorf Großenwörden im Landkreis Stade.

Der Gall’sche Schädel

Zu den berühmtesten Einzelobjekten der Europa-Sammlung gehören ein jüdischer Thora-Wimpel und der so genannte Gall’sche Schädel. Der Thora-Wimpel war im Jahr 1711 dem Gotteshaus in Halberstadt zu Ehren der Geburt von Mordecai Gimpel gestiftet worden und wurde dem Museum 1917 geschenkt. Der Gall’sche Schädel stammt aus dem Jahr 1812 und ist nach dem deutschen Mediziner Franz Joseph Gall (1757-1828) benannt. Dieser war zunächst in Österreich als Arzt tätig und machte sich später als Hirnforscher in Paris einen Namen. Er vertrat die Ansicht, dass das Gehirn aus einzelnen, selbstständigen Organen bestehe, die für die unterschiedlichen Charakterzüge und Fähigkeiten der Menschen verantwortlich seien. Der Schädel, auf dem die Positionen dieser Organe eingezeichnet sind, stammt aus der Lehr- und Forschungssammlung von Gall.

Nordasien

Die Sammlungen aus dem nördlichen Asien sind vor allem durch die Bestände zum sibirischen Schamanismus weltberühmt, die aus dem 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts stammen. Hierzu gehört eine wertvolle Schamanentracht aus einem Grab eines Sojoten-Schamanen im heutigen Tuwa-(Altai-)Gebiet. Der vogelschwanzförmige Mantel aus Rentierfell ist mit vielen farbigen Schlangen und Stoffstreifen behängt. Diese stellen die Hilfsgeister des Schamanen dar. Das Gewand datiert etwa aus dem Jahr 1900 und wurde 1910 für das Museum erworben.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Bernd Schmelz
Tel.: 040. 42 88 79–502 / –508
Fax: 040. 42 88 79–242
b.schmelz@mvhamburg.de
europa@mvhamburg.de