Afrika
Museum für Völkerkunde Hamburg
Vorderer und Mittlerer Orient/Nordafrika
Frauen in Straßenkleidung; Foto: unbekannter Fotograf, Iran, um 1900

Die Abteilung Vorderer und Mittlerer Orient / Nordafrika

Die Abteilung Vorderer und Mittlerer Orient/Nordafrika umfasst Sammlungsbestände aus den islamisch geprägten Ländern und Regionen Nordafrikas, Vorderasiens und Zentralasiens. Abgesehen von einigen archäologischen Beständen sind die Objekte überwiegend in das 19. und 20. Jahrhundert zu datieren.

Hielt sich in den frühen Jahren des Völkerkundemuseums der Zuwachs in diesem Sammlungsbereich noch in Grenzen, so nahm er ab der Jahrhundertwende deutlich zu. Der völkerkundlichen Ausrichtung des Museums entsprechend finden sich ethnographische Objekte traditioneller und moderner Alltagskultur aus dem städtischen, ländlichen und nomadischen Umfeld. Darüber hinaus beinhaltet die Sammlung jedoch auch zahlreiche Beispiele islamischer Kunst und Kunsthandwerk. Als herausragendes Objekt wäre hier beispielsweise eine osmanische Kalenderrolle aus dem 18. Jahrhundert zu nennen.

Die Herkunft des Sammlungsbestandes ist regional und kulturell breit gestreut, im Laufe der Jahrzehnte haben sich jedoch Sammlungsschwerpunkte ergeben. Dies ist nicht zuletzt auf umfangreiche Objektbestände renommierter Sammler und Spezialisten zurückzuführen, die als Stiftungen oder Ankäufe in das Museum gelangt sind.

Vorderasien

Aus der Türkei besitzt die Abteilung zahlreiche Objekte unterschiedlichen kulturellen Ursprungs. Besonders bedeutend ist eine Sammlung zu den in Anatolien beheimateten Yörük-Nomaden, die die Ethnologin Prof. Dr. Ulla Johansen in den 1950er Jahren im Rahmen einer Feldforschung zusammengetragen hat. Dieser Bestand ist durch eine umfangreiche photographische Sammlung Johansens dokumentiert.

Der Bestand aus den Ländern des Maschriq – Ägypten, Palästina und das historische Mesopotamien (heute Syrien, südliche Türkei, Irak) – setzt sich aus verschiedenen kleineren Objektsammlungen zusammen. Sie beinhalten neben Handwerksgerät und -produkten häusliches Gerät, Textilien und Waffen.

Bereits in Teilen erschlossen und publiziert ist die Sammlung persischer bzw. iranischer Objekte, die neben Waffen, Lackarbeiten, Glasmalereien und Textilien umfasst.
Ein regionaler Schwerpunkt liegt auf der südlichen Arabischen Halbinsel. So erwarb ab 1927 der Geograph Prof. Dr. Carl Rathjens auf mehreren Reisen in den damals für westliche Besucher noch nahezu unzugänglichen und unerforschten Jemen eine umfangreiche Sammlung vorislamischer und zeitgenössischer ethnographischer Objekte für das Museum. Ergänzt durch einen ebenso umfangreichen Fotobestand bilden sie ein einzigartiges Zeitdokument. Die Arabien-Sammlung umfasst darüber hinaus einige Objekte aus Saudi-Arabien und Kuweit, in jüngster Zeit konnte das Museum durch Schenkungen aus dem Nachlass von Hans-Wolfgang Schwedhelm seine Bestände auch auf den Oman ausdehnen.

Zentralasien

Schon früh bildete sich ein zentralasiatischer Sammlungsschwerpunkt heraus. Bereits 1906 gelangte eine komplette Jurte kasachischer Nomaden ins Museum. Eine weitere Jurte gehört zur bekannten Turkmenen-Sammlung der Abteilung. Sie stammt von Jomut-Turkmenen im Nord-Iran aus den 1940er Jahren und kam 1970 mit kompletter Inneneinrichtung ins Haus. Auch diese Sammlung konnte in jüngerer Zeit erweitert werden, vor allem durch kontinuierliche Schenkungen der beiden Hamburger Ärzte Dr. Bernd Augustin und Dr. Stefan Völcker: Von Ihnen erhielt das Museum archäologische und ethnographischen Objekte jüngeren Datums, vor allem Teppicherzeugnisse zentralasiatischer Nomaden.

Nordafrika

Der Sammlungsbereich Nordafrika umfasst in erster Linie Objekte aus den Maghreb-Ländern Marokko, Algerien und Tunesien. Zentral sowohl für diesen Sammlungsbereich als auch den Objektbereich Keramik ist eine umfangreiche und gut dokumentierte Sammlung marokkanischer Keramiken, Töpfereigeräte und Specksteinarbeiten. Sie kam 1980 und 1988 im Rahmen eines Feldforschungsprojekts des damaligen Abteilungsleiters Dr. Rüdiger Vossen ins Haus. Neben Produkten aus bekannten städtischen Keramikzentren beinhaltet sie auch zahlreiche Stücke aus ländlichen Töpfereien, viele davon in Berber-Regionen gelegen.

Was Sie in unseren Ausstellungen sehen können, ist nur ein Bruchteil dessen, was sich in unserem Museum an Schätzen befindet, welche als Sammlungen zusammengefasst werden.

Ansprechpartnerin:

Jana Caroline Reimer
Leiterin der Orient-Abteilung
Tel.: 040. 428 879–551
j.reimer@mvhamburg.de