Auch das vielfältige Rahmenprogramm zur Ausstellung wird die Aktualität des Themas widerspiegeln: ein samisches Tanztheater sucht traditionelle Wurzeln mit postmoderner Bewegungskunst zu verbinden, eine Filmreihe in einem Hamburger Programmkino zeigt Nomadenfilme von der Stummfilmzeit bis in die neueste Gegenwart. Vorträge und Lesungen von Wissenschaftlern und Gästen runden das Programm ab. Als Publikation zur Ausstellung ist ein besonderes Format in Vorbereitung: ein „ABC des Nomadischen“ wird zentrale Begriffe erläutern, die in der Ausstellung und in der Forschung eine Rolle spielen, aber auch über die Ausstellung hinaus Grundlagenwissen zum Thema vermittelt.


Brisante Begegnungen – Nomaden in einer sesshaften Welt
Die Ausstellung „Brisante Begegnungen – Nomaden in einer sesshaften Welt“ im Museum für Völkerkunde Hamburg zeigt ab dem 17. November die Vielfalt nomadischer Lebenswelten über einen Zeitraum von über 5.000 Jahren in einer regionalen Breite von Marokko bis Tibet und Sibirien. In vier großen Themenblöcken erzählt die Ausstellung von vielfältigen Spannungen zwischen nomadischen und sesshaften Menschen, zwischen verschiedenen Kulturen, Wirtschaftsweisen und politischen Strukturen, eben von „Brisanten Begegnungen“.


Grundlage der Ausstellung ist die über zehnjährige interdisziplinäre Forschungsarbeit von Archäologen, Ethnologen, Geographen, Historikern und Orientwissenschaftlern, die sich im Rahmen des Sonderforschungsbereichs „Differenz und Integration“ der Universitäten Halle und Leipzig mit nomadischen Völkern und dem Zusammentreffen nomadischer und sesshafter Kulturen beschäftigt haben. In Zusammenarbeit mit dem Museum für Völkerkunde Hamburg ist daraus ein ebenso vielfältiges wie anschauliches Ausstellungskonzept erwachsen.


Eine Besonderheit der Ausstellung wird sein, dass sie sich nicht nur in einem Sonderausstellungsraum, sondern zusätzlich über das ganze Museum auf annähernd 1.000 Quadratmetern verteilt:“Die Art der Präsentation soll dem Gedanken des Nomadischen entsprechen. Die Besucher wandern durch das Haus und erleben das Thema in seiner Flexibilität und in seiner Grundbedingung, der Mobilität”, erklärt Prof. Dr. Annegret Nippa, Projektleiterin der Ausstellung und amtierende Direktorin des Instituts für Ethnologie der Universität Leipzig.


Wichtig ist der enge Bezug zu gesellschaftlichen Fragen unserer Gegenwart:.„Wir wollen die direkte Verbindung zu den entsprechenden aktuellen Diskursen in unserer Gesellschaft aufzeigen“, so Prof. Annegret Nippa. Sowohl die Bezeichnung „Jobnomaden“ als auch die Identifikation vieler zeitgenössischer Künstler mit Nomaden weist auf die Wichtigkeit hin, in unserer Gesellschaft mobil und flexibel zu sein. Anhand von historischen Quellen wird deutlich, dass die aktuelle Debatte um Migration und Integration kein Phänomen der Neuzeit ist: Schon immer hat das „Fremde“ existiert, schon immer waren Gesellschaften aus vielfältigen Kulturen und Lebensweisen zusammengesetzt, die „Differenz und Integration“ ständig neu aushandeln mussten.
Sonderführungen
Öffentliche Führungen zur Sonderausstellung finden an folgenden Terminen statt:
Januar & Februar 2012
So 08.01.12 I 10.30 Uhr
So 15.01.12 I 15:00 Uhr
So 14.02.12 I 15.00 Uhr
So 22.01.12 I 11.00 Uhr
So 12.02.12 I 14.00 Uhr = Kinderführung (8-12 Jahre) Treffen im Foyer*
So 19.02.12 I 15.00 Uhr
So 26.02.12 I 15.00 Uhr
Treffpunkt: Museumsshop | Es gelten die aktuellen Preise.
*Während der Kinderführung werden die Eltern/ Erziehungsberechtigten gebeten, sich im Museum aufzuhalten.
Angebote für Schulklassen und geschlossene Gruppen: Führungen und Gespräche
Es werden Führungen für Schulklassen (alle Schulformen ab 5. Klasse), Kinder- und Jugendgruppen (bis 20 Personen, 11-18 Jahre) sowie Erwachsenengruppen angeboten.
Auf Nachfrage können auch Gespräche (Führungen mit Praxisteil) für alle Altersgruppen gebucht werden.
Anmeldung über den Museumsdienst (040-4281310)
Nomadsed - Das Spiel zu nomadischen Lebensweisen
Bei mobiler Weidewirtschaft ziehen Familien mit ihren Haushalten über Weideland und bestreiten ihren Lebensunterhalt hauptsächlich aus dem Ertrag ihrer Tiere und deren Verarbeitung. Das Spiel entwirft die Lebenswelt von Hirtennomaden und soll mit Hilfe eines eingeweihten Spielführers, „des Ältesten“, in die Entscheidungsfindungen des nomadischen Alltags verwickeln.
Bis zu fünf Spieler schlüpfen in die Rolle von Hirtennomaden und werden mit den alltäglichen Herausforderungen und Ereignissen in den Steppen konfrontiert. Dabei liegen Gewinne und Verluste nicht in der Hand der Hirten allein. Runde um Runde müssen sie sich den Unwägbarkeiten der Natur stellen, auf Anordnungen von Staat und Entwicklungsorganisationen reagieren und Börsenspekulationen mit Futter und Fleisch ertragen.
Das Ziel der Spieler besteht darin, ihr Kapital in Form von Schafen zu vergrößern, indem
sie strategisch weitsichtige und taktisch kluge Entscheidungen treffen.
Nomadsed ist für drei bis fünf Spieler ab 10 Jahren geeignet. Ein Spielleiter, „der Älteste“, sollte den Ablauf begleiten und die Spieler gegebenenfalls beraten. Ein Spiel dauert ca. 45 Minuten.
Termine
An folgenden Terminen betreut eine “Älteste” (Spielleiterin) das Spiel. BesucherInnen sind herzlich willkommen, auszuprobieren, zu fragen – und natürlich zu spielen!
So 08.01 16.00 – 17.30 Uhr
So 05.02 16.00 – 17.30 Uhr
So 12.02 16.00 – 17.30 Uhr
Sa 25.02 15.00 – 17.30 Uhr
So 11.03 10.30 – 12.30 Uhr
Sa 17.03 15.00 – 17.00 Uhr
Sa 31.03 15.00 – 17.00 Uhr
So 08.04. 16.00 – 17.30 Uhr
So 15.04. 16.00 – 17.30 Uhr
So 29.04. 16.00 – 17.30 Uhr
Die Ausstellung wird kuratiert von Prof. Dr. Annegret Nippa und Dr. Andreea Bretan des Sonderforschungsbereichs SFB 586 der Universitäten Leipzig und Halle-Wittenberg und gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie durch Mittel des Sonderausstellungsfonds der Stadt Hamburg.



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