Wahl.02

Wahlverwandtschaften. Imaginationen des Nomadischen in der Gegenwartskunst

Nomaden haben Hochkonjunktur. Schlagwörter wie Mobilität und Flexibilität fließen wie selbstverständlich durch unsere (post-)modernen Diskurslandschaften. Sie artikulieren sich in ständig wechselnden Arbeitsverhältnissen, Freizeitstress und laufenden Projekten an unterschiedlichen Orten, quellen in Form unaufhörlich aktualisierter Informationen aus dem World Wide Web, diffundieren als Gespräche einer global vernetzten und mobilen Kommunikation und manifestieren sich in Form flexibler Holzregal-Cluster in unseren Wohnzimmern.

DanielBaker

Doch was hat die Beweglichkeit der Nomaden mit den Mobilitätszwängen der (post-)modernen Sesshaften zu tun? Ist „ihre“ Mobilität nicht eine Überlebensstrategie und „unsere“ eine Zeitgeisterscheinung? Welche Bilder entwerfen Künstler, die sich nomadische Methoden zu eigen gemacht haben? Fragen wie diese wirft die Gruppenausstellung Wahlverwandtschaften. Imaginationen des Nomadischen auf, die sich mit der Beziehung von Nomaden und Sesshaften auseinandersetzt. Nach Gemeinsamkeiten suchend, geht es den bildenden Künstlern darum, Stereotype aufzubrechen. Durch die Sprache unterschiedlicher Medien wie Installationen, Gemälde, Fotografien, Videoportraits, Psychogeographien, Wissenslandschaften und Textilverarbeitungen illustrieren 12 internationale Gegenwartskünstler, wie sich nomadisches Denken nicht nur in der Kunstproduktion, sondern auch im sesshaften Denken äußert. Die sowohl künstlerischen als auch utilitaristischen Ansätze zu nomadischem Denken und Handeln fördern Affinitäten und Kontroversen zutage: auf der einen Seite die Sympathien der Künstler, die sich teilweise mit Nomaden identifizieren und deren Kultur und Lebensweise in ihre Werkkomplexe mit einbeziehen. Auf der anderen Seite das Interesse der Forschung, der Informatik und der Politik, das sich das nomadische Denken und dessen Bewegungsabläufe einverleibt, um damit neue intelligente Formen der Netzwerkanalyse, Kriegsführung und Kriminalitätsbekämpfung zu entwickeln.

Durch dieses breite Darstellungsspektrum führt die Ausstellung dem Betrachter auch den eigenen Umgang mit dem Fremden vor Augen und verheimlicht dabei nicht, dass die Grenze zwischen Erlebtem und Imaginierten auch durchaus fließend sein kann. Erfahrung und Fantasie verdichten sich in den gezeigten nomadischen Objekten zu neuen Bildern und Narrativen, die nicht nur neue Wahlverwandtschaften enthüllen, sondern dem Betrachter auch ungewohnte Lesarten abverlangen.

Kunstausstellung, kuratiert von Peter Herbstreuth

Mit: Daniel Baker, Joseph Beuys, Olaf Holzapfel, Bettina Hutschek, Damian Le Bas, Richard Long, Wilhelm Müller, Rémy Markowitsch, Ulrike Ottinger, Nada Sebestyén, Maja Weyermann, Akram Zaatari

Öffentliche Führungen

Sonntags um 16.00 Uhr führt Verena Thissen durch die Ausstellung.

Kosten: 3 € zzgl. Museumseintritt
Treffpunkt: Museumsshop

Führungen für geschlossene Gruppen und Schulklassen

Wir bieten Führungen für geschlossene Gruppen und Schulklassen an.
Gruppen: bis zu 15 Personen I 16 – 99 Jahre
Schulklassen: ab 7. Klasse I alle Schulformen

Anmeldung über den Museumsdienst unter 040-4281310.

In Kooperation mit dem SFB 586 “Differenz und Integration”. Gefördert von der DFG und dem Institut für Ethnologie der Universität Leipzig. Das Begleitprogramm wird u.a. gefördert vom Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas in Leipzig und der Schwedischen Botschaft in Berlin.

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