6. Juli – 20. August 2017
Das Segel von Lamotrek

Seit Jahrhunderten waren Kanus für die Einwohner der Karolinen im westlichen Pazifik das wichtigste Verkehrsmittel. Regelmäßig reisten sie damit auf benachbarte Inseln, versorgten sich mit den notwendigen Dingen des Alltags wie Lebensmitteln und Werkzeugen oder brachten sich bei Naturkatastrophen auf andere Inseln in Sicherheit.

Auch heute leben die Künste des Kanubauens und der Himmelsnavigation in den Föderierten Staaten von Mikronesien fort und werden von Waa’gey, einer lokalen Organisation, an die jüngere Generation weitergegeben (www.waagey.com).

Als Antwort auf die Herausforderungen durch Globalisierung und Klimawandel und den steigenden Meeresspiegel hat Waa’gey mit seinen Lehrlingen das Auslegerkanu „The Lucky Star“ gebaut. Innerhalb von sechs Tagen hat es die über 1.000 Meilen nach Guam zum Festival of Pacific Arts 2016 zurückgelegt. Acht Seeleute um Navigator Larry Raigetal brachten ein traditionelles, aus Pandanus-Blattstreifen gefertigtes Segel mit, das die Bewohner des Lamotrek-Atolls in der Region Yap hergestellt hatten. Es wurde während des Festivals ausgestellt, um seine besondere Herstellungstechnik zu präsentieren.

Das Pandanus-Segel
Um das Segel zu weben, benötigten mehr als 30 Personen über sechs Monate. Die Webkunst war auf Lamotrek für mehr als ein halbes Jahrhundert fast verschollen. Nur mit der Hilfe der 95-jährigen Maria Labusheilam, der letzten Meisterin im Weben, gelang es Waa’gey das Wissen weiterzugeben. Sie lehrte 20 Frauen, darunter ihre Tochter Maria Ilourutog, ihre Enkeltochter Pualina Lairegiyalo und ihre Schwiegertochter Esther Letalimepiy. Aufgabe der Männer von Lamotrek war es, die Blätter zu schneiden, zu dehnen und das Segel zusammenzunähen. Zwei Wochen nachdem Labusheilam ihr Wissen weitergeben konnte, starb sie. Sie hat das Ergebnis ihrer Arbeit nicht mehr gesehen.

Das Pandanus-Segel wird aus dem pandanus odoratissimus (Schraubenbaum) hergestellt, der an den Stränden fast aller tropischer Inseln wächst. Die Blätter werden geerntet, in der Sonne getrocknet, in einzelne Fasern zerlegt und danach zu größeren Teilen zusammengewebt. Die Männer verstärken sie dann, indem sie sie dehnen und um Kokosnussbäume wickeln. Anschließend werden die Teile mit geflochtenen Seilen aus Kokosnussfasern zusammengenäht.

„Falemwaiul Lamoireg?“
Der Satz „Falemwaiulo Lamoireg?“ in der Mitte des Segels bedeutet „Überleben der Herrlichkeit Lamoiregs“. Er betont noch einmal den Kampf der Gemeinde gegen die negativen Einflüsse der Modernisierung, mit denen Probleme wie Klimawandel und steigende Meeresspiegel einhergehen. Die Einwohner von Lamotrek hoffen, dass es als Zeichen für ihr kulturelles Erbe sowie das Bauen und Nutzen von Kanus um die Welt geht.

Das Segel wurde bereits in der Universität von Guam und im Honolulu Museum ausgestellt und war zuletzt im UN Hauptgebäude als Hauptausstellungsstück der Ocean Conference zu sehen.
Nun reist es nach Europa, Asien und Australien weiter, bevor es zurück nach Palikir in die Hauptstadt der Föderierten Staaten von Mikronesien geht. Dort soll es die Olympische Fackel 2018 nach Yap bringen. Alle Einwohner von Lamotrek wie auch der Präsident der Föderierten Staaten von Mikronesien, Peter Christian, haben auf dem Segel unterschrieben.