Sa 17. September 2016 | ab 10 Uhr

Balinesisches Tempelfest – Kuninganfeier
Odalan Pura Sangga Bhuwana

Vor dem Museum für Völkerkunde stehen zwei umfriedete Skulpturen aus dunklem Vulkanstein. In mühsamer Detailarbeit hat ein Baumeister aus Bali diese monumentalen Steinstelen zu einer Tempelanlage zusammengefügt. 2010 erhielt der Tempel seine Weihen und einen Namen: Pura Sangga Bhuwana – Säule des Kosmos.

Als Sitz der Götter dient er seither gläubigen Hindus in der balinesischen Tradition als eine Stätte der Andacht. Anlässlich des regelmäßig wiederkehrenden Kuningan-Festes feiert die balinesische Gemeinde den „Geburtstag“ dieses Tempels am Samstag mit Opfergaben und Gebeten.

Gegen 10 Uhr beginnen Andacht und Zeremonien, um nach der Mittagspause mit Tänzen auszuklingen.

Es gibt für diesen Tag kein offizielles Programm. Die Feier findet im Freien statt und ist abhängig von den Witterungsbedingungen. Änderungen vorbehalten.

Besucher und Interessenten sind herzlich willkommen. Bitte respektieren Sie den Ablauf der Zeremonie.

Der Besuch des Altars vor dem Museum ist kostenfrei.

Mehr Informationen und Kontakt zur balinesischen Gemeinde unter
www.facebook.com/SanggaBhuwanaTempel

Pura Sangga Bhuwana / Säule des Kosmos
Tempel des Hindu Dharma

2009 errichtete der balinesische Baumeister Nyoman Artana, unterstützt von zahlreichen Helfern, im Vorgarten des Museums eine kleine balinesische Tempelanlage. Gemäß der hinduistischen Tradition Balis wurde sie am 22. Mai 2010 offiziell im Rahmen eines großen Tempelfestes durch den Priester Ida Bhagawan Dwija eingeweiht.

Der Tempel erhielt bei seiner Einsegnung den Namen: Pura Sangga Bhuwana – ‚Säule des Kosmos‘ – und ist seither Stätte der Andacht für Anhänger des Hindu Dharma.

Die Anlage besteht im Wesentlichen aus einem von Betonpfeilern gefassten Plateau, auf dem sich zwei Stelen aus Tuffstein erheben. Auf die Abgrenzung verschiedener Vorhöfe wurde verzichtet, so dass dieses Plateau den eigentlichen heiligen Kernbereich (jeroan) markiert. Die größere der beiden Steinskulpturen bezeichnet man als „Lotosthron“ – Padmasana.

Padmasana ist Ida Sang Hyang Widhi, dem obersten universalen Gott geweiht. Die religiösen Zeremonien des Hindu Dharma auf Bali ehren die Einzigartigkeit des höchsten Gottes: Ida Sang Hyang Widhi und seine Manifestationen in den Göttern (Dewa / Dewi). Zugleich huldigen sie allen Geistwesen und Ahnen.

Der Aufbau dieses Steinthrons mit seinen drei Ebenen ist Abbild des dreigeteilten Kosmos. Sein Sockel wird von der Weltenschildkröte Bedawang Nala gebildet. Sie gilt als Garant von Sicherheit, Stabilität und langem Leben. Sie wird von zwei Schlangenwesen (Nagas) in Position gehalten: Naga Basuki und Naga Anantaboga winden ihre geschlängelten Köper fest um die Schildkröte, um das Beben der Erde zu verhindern. Schildkröte und Schlange versinnbildlichen die Unterwelt, auf der die Welt der Menschen aufbaut. Sie stehen für die materielle Basis allen Lebens, wobei die beiden Nagas auch als Manifestationen von Brahma und Vishnu gedeutet werden können.

Die mittlere Ebene ist die Menschenwelt. Sie ist hier dargestellt in Form von stark abstrahierten Motiven aus der Vegetation. Den Abschluss bildet die Götterwelt, dargestellt anhand des Thrones für Ida Sang Hyang Widhi zu dessen Füßen erneut eine Naga dargestellt ist. Naga Taksaka gilt als Manifestation Shivas, so dass in der Gesamtheit der Skulptur letztlich wieder die als Trimurti bekannte Einheit der kosmischen Aspekte von Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung/Umwandlung – versinnbildlicht durch die Manifestation des Göttlichen in Brahma, Vishnu und Shiva – greifbar wird. Die Rückenlehne des Thrones ziert ‚Acyntia‘ – die symbolische Darstellung Gottes, der sich menschlicher Vorstellungskraft entzieht.

Neben der Padmasana-Skulptur steht eine kleinere Steinskulptur – Taksu genannt. Sie ist der Wächter des Ortes. Hier werden die Gläubigen vorstellig, bevor sie letztlich ihre Gebete und Zeremonien vor Padmasana verrichten.