Freitag 6. Juli | 18 Uhr

Erzählungen im Raum. Einblicke in Konzept und Regie zweier Ausstellungen

Vortrag von Annemarie Hürlimann, Kunst- und Literaturhistorikerin (Zürich/Berlin)

Die konzeptuelle und kuratorische Arbeit für die Ausstellung Schmerz (2007) war eine Herausforderung, da die beiden Ausstellungsorte, der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart und das Berliner Medizinhistorische Museum der Charité, auf unterschiedliche Besucher und Didaktik zielen. Schmerz begab sich auf einen Grenzgang zwischen Wissenschaft und Kunst und verstand sich als Experimentierfeld für neue visuelle und inhaltliche Impulse aus den unterschiedlichen Bild- und Dingwelten. Sie stellte die traditionell an die beiden Museen geknüpften Erwartungen und Sehgewohnheiten zur Disposition.
Die Grimmwelt in Kassel ist ein Museum, dessen Präsentation auf eine gewisse Dauer angelegt ist und sich dem Schaffen und der Wirkungsgeschichte von Jacob und Wilhelm Grimm widmet. Die Suche nach einer konzeptuellen Struktur machte den Reiz der kuratorischen Arbeit aus. Die Ausstellung nimmt die vielschichtigen Sprachforschungen der Brüder in den Blick, die aber nicht nur mit beschriebenen Papier gezeigt werden, sondern in verschiedenen Formaten, von historischen Objekten und Autografen zu performativen Stationen, medialen und künstlerischen Installationen.

So unterschiedlich die beiden Themen auch sind, es verbindet sie das Abstrakte und Unanschauliche: Das Unfassbare des Schmerzes und das Unsinnliche des Textes. Die konzeptuelle und kuratorische Frage für beide Projekte war: Wie setzt man etwas, was sich als Ausstellungsthema auf den ersten Blick widersetzt, im Raum so um, dass es zu einem sinnlichen Erlebnis wird und zugleich Erkenntnis generiert.

Annemarie Hürlimann, Kunst- und Literaturhistorikerin, beschäftigt sich seit den 1980er Jahren mit der Konzeption und Realisierung von Ausstellungen, vorerst für Kunst und Fotografie, zusehends mit thematischen Schwerpunkten mässig und gefräßig (Wien 1996), Fremdkörper (Dresden 1999). Ab 2001 kuratierte sie zusammen mit Nicola Lepp und Daniel Tyradellis im Team Ausstellungen für verschiedene Museen, z.B. 10+5=Gott (Berlin 2004), Schmerz (Berlin 2007). 2012-15. Konzept und Realisierung der Grimmwelt Kassel mit Nicola Lepp. Seit 2016 Büro für Ausstellungsberatung in Zürich und Berlin. Lehrtätigkeit und Publikationen zur Praxis und Theorie des Ausstellens.

In Kooperation mit PriMus – Promovieren im Museum, ein interdisziplinäres Promotionsprogramm der Leuphana Universität Lüneburg.

Für mehr Informationen: www.leuphana.de/ipk/primus.

Der Eintritt ist frei.