Museum für Völkerkunde Hamburg

Sa 12. November 2016 | 19:00 Uhr
Film und Gespräch über Bolivars Traum

„Bolivar’s Traum“ ist ein Film des Hamburgers Joerg Altekruse und des Chilenen Orlando Lübbert und ist im Rahmen des Lateinamerika-Herbstes im Metropolis Kino, www.metropoliskino.de Kalkhof 7, D-20354 Hamburg zu sehen.

Im Januar im Goethe-Institut in Santiago de Chile uraufgeführt, wurde der Film bei ARTE in der geopolitischen Reihe gezeigt.

Simon Bolivar, 1783 in Caracas geboren, war keineswegs ein Träumer, sondern knallharter Realist und republikanischer Befreier Lateinamerikas aus spanischer Knechtschaft. Aber als hochgebildeter Vertreter der europäischen Aufklärung war er auch politischer Visionär und galt auf dem Kontinent nach heutigen Maßstäben als eine Art Superstar. Bis heute sind seine Ideen für ein vereinigtes und souveränes Südamerika tief in den Lebensvorstellungen vieler Menschen verankert.

Nach dem Film wird es ein moderiertes Gespräch mit dem Regisseur Joerg Altekruse und Gästen unter der Leitung von Prof. Dr. Sabine Rollberg (WDR-ARTE Redaktion) geben.

Vor dem Film wird Staatsrat Wolfgang Schmidt in einem Grusswort die besondere Beziehung Hamburgs mit Simon Bolivar würdigen.

Ein Film von Joerg Altekruse und Orlando Lübbert.
52 Min., © 2016
Produziert von Zeitfilm Media für den WDR und in Kooperation mit ARTE.

Fassungen: spanisch, deutsch, französisch, englisch

Gezeigt wird die deutsche WDR/ARTE – Version.

„Alles spricht dafür, dass die Völker Lateinamerikas sich zusammentun, wir sind praktisch wie Geschwister“, erklärt die Grundschuldirektorin Teresa Romero in Boliviens Regierungssitz La Paz, „genau das wollte Bolivar doch erreichen: einen großen bolivarianischen Kontinent.“

Gemeinsam haben sich zwei Filmemacher, Joerg Altekruse aus Europa und Orlando Lübbert aus Lateinamerika auf Spurensuche nach dem politischen und sozialen Erbe des als Befreier Südamerikas gefeierten Simon Bolivar begeben.

Geboren in Caracas in Venezuela 1783, hatte sich der begüterte Nachfahre baskischer Adeliger schon in jungen Jahren für die Ideale der französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit begeistert, während in seiner Heimat noch finsterste Sklaverei und Ausbeutung herrschte. Mit 22 Jahren schwor er vor seinem Lehrer in Rom, „Ab jetzt habe ich nur eine Aufgabe: entweder die Freiheit oder den Tod.“

Mit Mut und Entschlossenheit machte er sich an die herkulische Aufgabe, die unterschiedlichen Bevölkerungsschichten, von den ausgebeuteten Indigenen und schwarzen Sklaven bis hin zu den Großgrundbesitzern unter dem Begriff der Freiheit zum Kampf gegen die Spanier zu vereinen. Der Film folgt seinen Spuren entlang der Anden, über Kolumbien, Ecuador, Peru bis nach Bolivien und Chile. Das Ziel ist, Bolivars Weg der Befreiung nachzuvollziehen und gleichzeitig die Spuren zu finden, die seine Visionen eines vereinigten und starken Kontinents im heutigen Lateinamerika hinterlassen haben – jenseits der vielen Denkmäler, Universitäten oder sogar Satelliten, die seinen Namen tragen.

Bis heute stehen Bolivarstatuen weltweit für Freiheit und Menschenrechte, so dass die Unesco einen Preis nach ihm benannt hat und die Ägyptischen Revolutionäre sich 2011 unter seinem Denkmal in Kairo versammelten. Dabei wurde der überzeugte Republikaner gerne von Konservativen wie auch Linken für eigene Zwecke vereinnahmt: Militärs etwa verehren ihn bis heute als großen Strategen, für Guerillas wurde er zum Symbol eines Mannes, der ein ganzes Imperium bezwang.

In den fast zweihundert Jahre nach der Kapitulation der spanischen Kolonialherren wurde Lateinamerika durch den „Fluch der Rohstoffe“, seine ungeheuren Naturreichtümer, zum Spielball der Mächte aus Europa und Nordamerika. Der Sklaverei folgte die Diktatur des Marktes, einer erfolgreich durchgesetzten Ideologie des Neoliberalismus, die bis heute etwa das privatisierte Bildungswesen Chiles oder die mangelnde öffentliche Infrastruktur der Länder prägt. Doch die Zeiten ändern sich: eine junge, hochgebildete Bevölkerung, vereint in der digitalen Sphäre ihrer mobilen Kommunikation und verbunden mit einer zusammenrückenden Welt, besinnt sich auf die von Bolivar beschworenen Werte von Gemeinschaft und Brüderlichkeit und dem „buen vivir“, dem „gutem Leben“ der indigenen Bevölkerung. Ein Wertewandel, der gut 180 Jahre nach Bolivars einsamen Tod seine Vision eines vereinigten, selbstbewussten Lateinamerikas wieder vorstellbar werden lässt.